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Selbstausbau WoMo
Liebe auf den ersten Blick
Zeitungsbericht in der Neuen Presse Coburg vom 9. Dezember 2010
Der pensionierter Diensthundeführer und Leiter der Diensthundestaffel, Michael Sternberg, hatte sich mit dem Ausbau eines über 30 Jahre alten Mercedes 508 zu einem Reisemobil viel vorgenommen.
Urlaubsfahrten, Wochenendausflüge und Städtetouren wollten Helga und Michael Sternberg in ihrem Ruhestand mit dem eigenen Wohnmobil unternehmen und die Welt erkunden. Der Polizeihauptkommissar a. D. machte sich auf die Suche nach einem passenden Gefährt und hatte schließlich im Landkreis Coburg ein lange ausgedientes und recht heruntergekommenes Fahrzeug entdeckt und dieser „Oldtimer“ hatte auf Anhieb auch sein Interesse geweckt. Auf dem Lkw aus dem Baujahr 1978 war ein Wohnwagen aufgesetzt gewesen, was dann dem äußeren Anschein nach, einem Reisemobil schon etwas ähnlich gewesen war. „Das Bild war zwar wenig einladend, aber der Mercedes-Lkw hat mich von Anfang an gereizt“. Ehefrau Helga hatte die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen, als sie das Fahrzeug sah. Doch Michael Sternberg hatte sich einiges vorgenommen und es in Gedanken schon fix und fertig restauriert vor sich gesehen. Die Sache Reisemobil hatte so seinen Lauf genommen.
Der Mercedes 508 war ohne jegliche Elektronik ausgestattet und hatte dafür nur wenige Kilometer auf dem Buckel. Dafür musste der Lkw von Grund auf überarbeitet werden. Um das Fahrzeug erst einmal zumindest grob zu säubern, waren stundenlange Abdampfungsarbeiten mit Spezialschaum nötig, erinnert sich Sternberg. Von umfangreichen Entrostungsarbeiten, über Austausche von Aggregaten, Frontblechen, Austausch von Scheinwerfern bis hin zu völligen Neulackierung, waren unzählige Stunden an Arbeit notwendig. Der aufgesetzte Wohnwagen, so Michael Sternberg, musste zusätzlich abgedichtet und innen überarbeitet werden, wobei auch die Polster neu bezogen wurden. Auch im Innern des Wohnbereichs war viel zu tun, um ein gemütliches Wohnen bei den geplanten Urlauben zu gewährleisten. Auf dem Dach hatte Sternberg selbst Riffelbleche verklebt, eine Reling angeschweißt und Rollen für die Boote befestigt. „Ein großer Staukasten auf dem Dach ist geradezu ideal für allerlei sperrige Güter, die einfach dabei sein müssen“, sagte Sternberg.
Das Solarschild vorne am Fahrzeug sichert die Stromversorgung in den Fällen, wo es keinen Stromanschluss gibt. Der am Heck montierte Fahrradträger sei für zwei Räder ausgelegt, jedoch als Alternative sei dieser auch für eine Enduro-Maschine geeignet, sagte Sternberg. Unterhalb des Fahrzeugs sind drei Wassertanks montiert, die zusammen 240 Liter Frischwasser aufnehmen können. An den Seiten sind Fächer Werkzeug, Tisch, Treppe, Wasserschläuche und eben alles, was man so als Wohnmobilfahrer braucht, verstaut.
Der Lkw, der mit einer Doppelkabine hergestellt wurde, hat es nach den Worten Sternbergs zugelassen, vorne im Fahrerhaus noch zwei seitlich angeordnete Bänke zu nutzen, unter denen einerseits die zweite Großbatterie für den Solarstrom und auf der anderen Seite eine Vielzahl von Werkzeug angeordnet ist. Auch Motoren-Öl und Kühlerwasser, sowie destilliertes Wasser für die Batterien finden in dem „Oldtimer-Wohnmobil“ ihren Platz. Unter dem Fahrersitz befinden sich die beiden großen Starterbatterien, die nötig sind, um den Diesel auch sicher starten zu können, erklärt der pensionierte Polizeihauptkommissar.
Dankbare Unterstützung hatte Michael Sternberg nicht nur von der Firma Mercedes Bender in Coburg erfahren, sondern auch durch Kfz-Meister anderer Betriebe, die diese Fahrzeuge von früher sehr gut kannten und ihre besonderen Eigenschaften auch erklären konnten. Viele zeitaufwändige Kleinarbeiten waren nötig gewesen, um das alles zu schaffen. Der ersten Ausfahrt sahen Helga und Michael Sternberg mit gemischten Gefühlen entgegen. Die Probefahrt führte die „Neu-Camper“ zum Brombachsee und siehe da, es hatte fast alles perfekt geklappt. Aufgrund der noch verbliebenen Mängel, wurden noch einige Arbeitseinsätze geleistet und dann stand die erste dreiwöchige Urlaubsfahrt in den Norden Deutschlands an. In den zurückliegenden Monaten, so Sternberg, seien einige Fahrten unternommen worden und das „fast historische“ Fahrzeug sei ein absolut zuverlässiger Geselle, der nichts übel nehme und immer munter die Kilometer abspule. „Der Mercedes-Motor, sowie alle Aggregate sind problemlos und könnten im Falle eines Falles, auch in der Sahara repariert werden“. Diese Lkw gibt es weltweit und sie keine anfällige Elektronik hätten, seien Reparaturen problemlos möglich. „Auch der Schmied im Sudan kennt sich mit diesen Lkw`s gut aus“.
Der „Reisemobil-Club Veste Coburg“ hat seinem neuen Clubfreund eine unfall- und pannenfreie Fahrt in seinen geliebten Norden gewünscht. Die nächste Fahrt ist nach den Worten des „Urlauber-Paars“ im Frühjahr 2011 geplant. Ziel sei Skagen, wo Nord- und Ostsee zusammenkommen. Durch die Gründung des „Reisemobil-Clubs Veste Coburg“ haben Helga und Michael Sternberg bei den monatlichen Stammtischen viele neue Freunde kennengelernt. In zwangloser Runde werde da gefachsimpelt, Erfahrungen ausgetauscht und Ratschläge für Probleme gerne angenommen, sagte Sternberg. Und so bleibe es natürlich nicht aus, dass sich hier die Reisemobilisten mit den unterschiedlichsten Fahrzeugen treffen. Die Geschichten, was einem denn zu den Wohnmobilfahrten geführt und besonders daran gefällt und wie man zu seinem Wohnmobil kam, sind immer sehr interessant, da das auch Rückschlüsse auf den Besitzer zulässt.
Er habe sich für ein Wohnmobil interessiert, dass nicht von der Stange kann und nicht nur einfach so gekauft werden konnte. Der Einstieg in den Reisemobilbereich sei sehr aufwändig und etwas nervig gewesen, gab Sternberg zu. Als er sich vor Jahren langsam auf seinen Ruhestand vorbereitet hatte, sei er auf die Idee gekommen, sich für diese Zeit ein Wohnmobil zuzulegen. Und so sei mit viel Idealismus und Freude ein Reisemobil der ganz besonderen Art entstanden.
Foto's und Bericht von Wolfgang Desombre
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